16.09.2026 Aktuelles Agrar- & Verbandspolitik, Veranstaltungen ca. 3 Min. Lesezeit

Brandenburgs Schweinehalter am Limit – aber bereit für neue Wege

Tag des Schweinehalters

Brandenburgs Schweinehalter am Limit – aber bereit für neue Wege
 
Auf dem wichtigsten Jahrestreffen ihrer Branche – dem Tag des Schweinehalters – stellten Brandenburgs Schweinehalter ihre derzeitige wirtschaftliche Situation ungeschönt dar: „Die Lage ist noch bescheidener als im letzten Jahr, aber wir haben einen gewissen Zweckoptimismus entwickelt. Ideenreichtum ist gefragt, um den Blick nach vorn zu schärfen“, erklärte Benny Hecht, LBV-Vorstandsmitglied und Halter einer teilgeschlossenen Anlage mit einem Bestand von 2.500 Tieren – Sauen, Ferkel und Mastschweine.
 
Wie Betriebe wie der von Benny Hecht in dem derzeit extrem angegriffenen Schweinemarkt bestehen können, war Gegenstand eines neuen Podiumsformats der Tagung, bei der vier Unternehmen neue Wege der Erzeugung und Vermarktung von Schweinefleisch aufzeigten. Allen vier Konzepten liegt die Idee zugrunde, verlässliche Unternehmenspartnerschaften aufzubauen, um die in Brandenburg fehlenden Glieder der Wertschöpfungskette Schweinefleisch zu ersetzen. So der geplante Ausbau der Schlachtung und Zerlegung in einem Nachbarbetrieb, der zukünftig eine vereinbarte Charge von Läufern wöchentlich aufnehmen wird (Benny Hecht); der Bau einer eigenen Schlachtstätte, um die regional gewachsene Vermarkungsstruktur vom Schwein zur Wurst in einer strukturschwachen Region weiterhin zu gewährleisten (Enrico Voigt); die mutige Investition in einen Neubau einer Bio-Sauen-Anlage für 500 Sauen im Nordwesten Brandenburgs im Verbund mit einem starken Partner der Verarbeitung in Bayern sowie mit einem Partner für Schlachtung und Zerlegung in Niedersachsen (Jan-Steffen Grünhagen), oder nicht zuletzt das Nose-to-Tail-Konzept und die „Neuinterpretation von Fleischerei“ in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit Vertragshöfen und Jägern aus Brandenburg (Olaf Mahr).
 
Ob diese Konzepte auf lange Sicht ökonomisch tragfähig sind, blieb als ungeklärte Frage im Raum stehen. Die Last der betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, die zuvor vom Experten des Thünen-Instituts wie auch vom Staatssekretär des Ministeriums für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt- und Verbraucherschutz (MLEUV), Dr. Stephan Nickisch, ins Feld geführt wurden, sprachen eine deutliche Sprache:
 
„Ob konventionelle Haltung oder ökologische Verfahren – gegenwärtig bietet keines dieser Haltungssysteme eine wirtschaftlich auskömmliche Perspektive für die Schweinehaltung,“ stellte Staatssekretär Nickisch in seinem Grußwort fest. Ehemals lukrative Märkte wie China hätten ihre Eigenproduktion hochgefahren und Importe minimiert, tierseuchenbedingte Restriktionen, unter denen Brandenburg litt, wurden in den letzten Jahren von den europäischen Mitbewerbern ausgeglichen. Neue Anforderungen an Lüftung und Klima im Stall schlagen sich auf die Kosten nieder, die bei einem anhaltenden Niedrigpreis von unter 1,70 € pro Kilogramm Schlachtgewicht nicht gedeckt werden können.
 
Die zahlenbasierten Ausführungen von Henning Meiners vom Thünen-Institut zeigten ebenfalls eindrücklich auf: deutsches Schweinefleisch aus einem gesellschaftlich akzeptierten Schweinestall, der den Anforderungen an den Emissionsschutz, das Tierwohl und die Biosicherheit entspricht und in welchem motivierte Mitarbeiter zu annehmbaren Bedingungen arbeiten, kann in den Haltungsformen 2,3, und 4 nicht kostendeckend erwirtschaftet werden.
 
Benny Hecht: „Im Vergleich zu unseren Kollegen in Spanien, Polen oder Rumänien haben wir entschieden ein Problem mit der Wettbewerbsfähigkeit. Die Masse des Schweinefleisches, das in der Bevölkerung immer noch das am meisten konsumierte Fleisch ist, wird zukünftig aus anderen Ländern Europas kommen. Die wohl einzige Chance, die sich heute nach diesem Tag aufgezeigt hat, ist die, sich unabhängig von den großen Playern und der Unerbittlichkeit des Lebensmitteleinzelhandels zu machen, und gemeinsam mit potenten Partnern Wertschöpfungsketten für Premiumfleisch aufzubauen.“
 
Der Landesbauernverband teilt die Forderung der Schweinehalter vor Ort, dass das Land Brandenburg dabei mit größtmöglichen Entlastungen bei Genehmigungsverfahren unterstützen muss.
 
Der Tag des Schweinehalters ist eine gemeinsame Veranstaltung des Landesamts für ländliche Entwicklung und Flurneuordnung (LELF) und des Landesbauernverbandes Brandenburg.