Frustration und drohende Resignation in der Landwirtschaft – Vorstandsklausur des Landesbauernverbands endet mit Weckruf an Politik
„Wachen Sie auf, der Landwirtschaft geht es nicht gut!“, sendet im Superwahljahr 2026 der Vorstand des Landesbauernverbandes von seiner Klausurtagung einen Weckruf an die Politik. Kurz vor Beginn der Erntesaison befinden sich Brandenburgs Landwirte in einer Situation des höchsten wirtschaftlichen Risikos, während essenzielle Zukunftsfragen ungeklärt sind.
Auf europäischer Ebene sägt EU-Kommissar Christophe Hansen mit populistischen Schaubildern an den nachhaltigen, effizienten und vielfältigen Betriebsstrukturen in Brandenburg. Hierzu betont LBV-Präsident Wendorff: „Wenn Kommissar Hansen seine Pläne von Kappung und Degression verwirklicht, wäre das das Ende unserer Landwirtschaft in Brandenburg, wie wir sie in 35 Jahren aufgebaut haben. Unsere Politiker sind aufgefordert, dies zu verhindern.“
Derzeit wenig diskutiert werden zudem mögliche Folgen eines EU-Beitritts der Ukraine für die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik. LBV-Präsident Wendorff: „Ein EU-Beitritt würde die Gemeinsame Agrarpolitik der EU vor nahezu unlösbare Probleme stellen. Die Ukraine ist ein Agrarriese globalen Ausmaßes. Die Bedingungen im europäischen Binnenmarkt für die Brandenburger Landwirtschaft würden sich durch einen vorschnellen EU-Beitritt der Ukraine extrem verschärfen.“
Mit Blick auf die Bundesebene sorgt der Beschluss des Bundesrats zur Überarbeitung des Düngerechts für Unverständnis. Jede Hoffnung auf eine Herstellung der Verursachergerechtigkeit bei Nitratbelastungen im Grundwasser werden damit zunichte gemacht. Bei der verpflichtenden Anwendung der umstrittenen Stickstoff-Argon-Methode würden statt bisher 5% künftig 40% der Brandenburger Bauern nicht mehr ausreichend düngen dürfen. Bei der Stickstoff-Argon-Methode wird eine fiktive Grundwasserbelastung mit Nitrat ermittelt, die de facto gar nicht existiert. LBV-Präsident Wendorff: „Das versteht kein Mensch. Gerade in Zeiten des Bürokratieabbaus ist diese völlig unnötige Regelung ein Unding!“
Auf Landesebene stellt der Verband fest: Noch immer keine Richtlinie für einzelbetriebliche Investitionen in den Landwirtschaftsbetrieben, noch immer keine Nutztierstrategie für das tierärmste Bundesland Brandenburg und noch keine Antwort auf die Fragen im Umgang mit den um sich greifenden Wildvogelschäden.
Im Rahmen seiner zweitägigen Klausur hatte der Vorstand des Landesbauernverbandes Brandenburg die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in der Brandenburger Landwirtschaft analysiert und eine hohe Diskrepanz zwischen der Lage und Stimmung auf den Betrieben und der politischen Aufmerksamkeit dafür festgestellt. Die Mitglieder des Vorstandes leiten daraus erheblichen politischen Sprengstoff ab. Im September stehen zwei weitere Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern an, bei denen sich weitere politische Verwerfungen abzeichnen. Im Namen von Brandenburgs Bauern appelliert Henrik Wendorff daher an die Politik:
„Wachen Sie auf und kümmern Sie sich um den landwirtschaftlichen Sektor als systemrelevanten Bestandteil der Wirtschaftspolitik!“
Führerschein T als Grüne-Berufe-Booster nutzen – weitere Schritte zur Fachkräftesicherung notwendig
Der Landesbauernverband Brandenburg und der Land- und Forstwirtschaftliche Arbeitgeberverband Brandenburg-Berlin (AGV) bestärken die Abgeordneten des Brandenburger Landtags, die Auflage eines „Führerschein-T-BAföG“ voranzutreiben. Das Finanzierungsmodell analog zum Darlehen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) würde junge Auszubildende in die Lage versetzen, den für die Ausbildung in einem landwirtschaftlichen Beruf unentbehrlichen Traktorführerschein unabhängig von Eltern oder Familie finanzieren zu können. Gleichzeitig mahnen die Verbände weitere Schritte zur Fachkräftesicherung an.
„Der Traktorführerschein ist für die Ausbildung zum Landwirt unentbehrlich“, betont Heiko Terno, Vorsitzender des mit dem LBV verbundenen Bildungsvereins der Landwirtschaft Brandenburg (BVLB). „Er kostet unsere Auszubildenden je nach Anzahl der Fahrstunden jedoch mittlerweile mehr als 2.000 Euro! Das ist für die jungen Menschen und ihre Familien eine Herausforderung. Ein Führerschein-BAföG ist deshalb eine gute Sache.“
Terno betont aber auch: „Die Herausforderungen in den Grünen Berufen gehen weit über den Führerschein hinaus. Vielfach bringen die Auszubildenden nicht mehr die notwendigen Fähigkeiten aus der Schule mit. Hier müssen wir wieder besser werden. Auch brauchen wir Lösungen für Wohnraum und Mobilität der Azubi. Und unnötige Bürokratie wie die Vorlage einer Tierseuchenfreiheitsbescheinigung, die mit hohen Gebühren belegt ist, gehört abgeschafft!“
Hans-Christian Daniels, Vorsitzender des Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbandes Brandenburg-Berlin (AGV), bekräftigt: „Die moderne Landwirtschaft ist ohne leistungsstarke Technik nicht denkbar. Der T-Führerschein muss deshalb fester Bestandteil der landwirtschaftlichen Ausbildung sein. Bei der Finanzierung unterstützen bereits viele Betriebe, jedoch braucht es ein Finanzierungsmodell, auf das sich alle Betriebe und Azubi gleichermaßen verlassen können.
Brandenburg gehört bei der tariflichen Ausbildungsvergütung bundesweit zu den Top 3 in der Land- und Forstwirtschaft. Auch die kürzlichen Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft führten erneut zu einer Einigung über die Erhöhung der Ausbildungsvergütung. Das zeigt: Ausbildung hat Priorität für die brandenburgischen Betriebe und ist Grundlage für verantwortungsvolle Fachkräfte der nächsten Generation. Einen T-Führerschein während der Ausbildung zu absolvieren, ist dafür ein zentraler Baustein.“
Der Erwerb des Führerschein T ist in der Ausbildungsverordnung des Bundes für den Beruf des Landwirts nicht als Pflichtinhalt festgeschrieben. Berufsstand und Länder verständigten sich, dass die Ausbildungsbetriebe mit einer verpflichtenden Führerschein-T-Ausbildung in unzumutbarer Weise belastet würden, vor allem in Bundesländern, in denen die Azubi zu jedem Ausbildungsjahr den Betrieb wechseln. In Brandenburg wurden daher verschiedene individuelle Lösungen entwickelt, um die jungen Menschen dennoch zügig als Fahrerinnen oder Fahrer der modernen Landtechnikmaschinen zu befähigen. Viele Ausbildungsbetriebe stellen Übungsfahrzeuge bereit oder setzen finanzielle Anreize, um ihre Auszubildenden als spätere Facharbeiter im Betrieb zu halten. In den vergangenen drei Jahren wurden zudem Theorie-Kurse für den Führerschein T über die Richtlinie Ländliche Berufsbildung (LBb) des MLEUV gefördert. Allerdings bremsen hier bürokratische Anforderungen an eine Mindestanzahl der Kursteilnehmenden und die oft fehlende Organisation des direkten Anschlusses an den fahrpraktischen Teil die Etablierung dieses Fördermodells aus. Die meisten Azubi kratzen mit Hilfe der Familie das Geld zusammen und nutzen das Angebot der für Nutzfahrzeuge spezialisierten Fahrschulen im Land.
Eine Darlehensregelung wäre daher eine willkommene Lösung sowohl für Azubi und Ausbildungsbetrieb, um beide Seiten finanziell zu entlasten, die Auszubildenden für den zügigen Erwerb des Führerscheins zu motivieren und eine einheitliche Regelung für das Land Brandenburg herzustellen, die die Attraktivität der landwirtschaftlichen Ausbildung erheblich erhöht.
Hintergrund:
Auf der 35. Sitzung des Brandenburger Landtags wird heute u.a. ein Antrag von SPD-Fraktion und CDU-Fraktion zur Stärkung der Grünen Berufe debattiert. Die Regierungsfraktionen fordern darin von der Landesregierung, zu prüfen, ob eine Finanzierung des Erwerbs des Führerschein Klasse T in Form eines Darlehens analog zum BAföG für Studierende („Führerschein-BAföG“) auf den Weg gebracht werden kann. Zudem werden die zukünftige Förderung und Weiterentwicklung bewährter, die Aus- und Weiterbildung in den Grünen Berufen begleitender Strukturen diskutiert. Dazu gehören die überbetriebliche Ausbildung, die Ausbildungsnetzwerke, die berufliche Bildung im Agrarbereich an der HVHS sowie in den Regionalstellen für Bildung im Agrarbereich und die Berufsorientierung an den Schulen mit den Projekten AgrarAktiv und LandAktiv. Zudem sollen Strategien erörtert werden, dem abfallenden Leistungsniveau der Schulabgänger zu begegnen und junge Menschen für die wachsenden technologischen Anforderungen in der digitalisierten Landwirtschaft fit zu machen.
Landesbauernverband begrüßt Modernisierung der Biosphärenreservat Verordnung nach 36 Jahren
Ein Untergangsszenario gegen Weiterentwicklungen zu stellen, ist der falsche Weg
Der Landesbauernverband begrüßt das Vorhaben der Landesregierung, nach nunmehr 36 Jahren die Biosphärenreservatsverordnung für das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin auf den Prüfstand zu stellen und den veränderten Bedürfnissen der Bürger, Gemeinden und Landnutzungen anzupassen.
Zahlreiche der in der Verordnung enthaltenen Regelungen, die im Jahr 1990 zur Zeit der Wiedervereinigung vor dem Hintergrund einer ungewissen Zukunft festgeschrieben wurden, sind heute nicht mehr notwendig und zeitgemäß. Sie provozieren unnötige Konflikte zwischen den Akteuren vor Ort, die im Grunde jedoch ein- und dasselbe Ziel verfolgen: Den Schutz der Schorfheide-Chorin als Natur-Kleinod vor der Haustür.
Behutsame Maßnahmen zur Förderung des Tourismus als wichtigen Wirtschaftsfaktor, des sozialen Miteinanders und einer intakten Infrastruktur stünden dem jedoch nicht entgegen, sondern verwirklichten die UNESCO-Idee „Natur schützen und gleichzeitig nachhaltiges Wirtschaften ermöglichen“.
In der Vergangenheit wurden jedoch laut Berichten des Kuratoriums des Biospärenreservats nachhaltige Bauvorhaben im innergemeindlichen Bereich mit Verweis auf die Verordnung wiederholt blockiert. Genehmigungsverfahren für naturnahe Bebauungen wurden in die Länge gezogen. Klärungsbedarfe zur Finanzierung von denkmalgerechten Reparaturen im Straßenbereich stießen auf Widerstand, die Fronten zwischen den einzelnen Interessensvertretern seien verhärtet.
Henrik Wendorff, selbst als Landwirt, Bauernpräsident und Kreistagsabgeordneter in vielen Regionen des Landes unterwegs, steht für Möglichkeiten der kommunalen Weiterentwicklung und den Interessensausgleich der vielen Akteure vor Ort. Er mahnt zu Vernunft und Sachlichkeit bei der Bewertung der geplanten Anpassung.
„Nachhaltigkeit besteht aus dem Dreiklang von Ökologie, Sozialem aber auch Ökonomie. Es ist wichtig, das Leben und Arbeiten im Biosphärenreservat aus den Perspektiven aller Beteiligten zu betrachten: Die Naturschützer möchten die Natur nicht antasten, Landwirte möchten auch hybride Bewirtschaftungskonzepte verwirklichen, Anlieger möchten intakte Straßen, die Wirtschaft möchte mit nachhaltigen touristischen Angeboten Einnahmen und Arbeit vor Ort generieren. Eine Überarbeitung der Verordnung, die diesen verschiedenen Interessen Rechnung trägt, wäre für das Zusammenleben vor Ort ein großer Gewinn. Untergangsszenarien gegen Weiterentwicklungen zu stellen ist der falsche Weg."
Der Landesbauernverband als Interessenvertretung der Landwirte, die regelmäßig selbst im Kreuzfeuer verschiedener Interessen des Naturschutzes, der Gesellschaft, der Politik stehen, betont die Wichtigkeit, dass Kommunen und Bürger an einem Strang ziehen. Geleitet durch das Ziel, ihr Dorf und ihre Region für alle, die darin leben und arbeiten, lebenswert zu machen.
Brandenburger Landpartie spiegelt auch die Sorgen der Landwirtschaft
Landesbauernverband fordert mehr öffentliches Bewusstsein für regionale landwirtschaftliche Produktion
135 gastgebende Höfe laden am kommenden Wochenende, den 13./14. Juni, zur Brandenburger Landpartie ein. Die gastgebenden Betriebe präsentieren sich mit regionalen Produkten, frisch oder konfektioniert, locken mit gastronomischen Angeboten, Führungen, Kremserfahrten, Ausstellungen alter und neuer Landtechnik, mit Musik und Kultur für die ganze Familie. Der Landesbauernverband Brandenburg ermuntert vor allem Stadtbewohner, die offenen Höfe zu nutzen, um sich über den Weg und den Wert der regionalen Erzeugung von Lebensmitteln zu informieren.
„Wir freuen uns darauf, dem urbanen Raum einmal näher zu bringen, was in einem Glas Milch drinsteckt, warum Gärreste aus der Biogasanlage nicht mehr riechen oder Mohn und Kornblumen im Blühstreifen willkommen sind, im Weizenfeld jedoch nicht“, erläuterte LBV-Vizepräsident Heiko Terno gestern auf der Landespressekonferenz zur Brandenburger Landpartie die Motivation hinter dem Event.
Nur knapp 30 der an der Landpartie teilnehmenden Betriebe betreiben allerdings noch klassische Landwirtschaft, räumte Terno ein. Viele tierhaltende Betriebe ließen aufgrund des anhaltenden Seuchendrucks ihre Ställe für die Öffentlichkeit geschlossen. Produktions- und Personalkosten stünden zudem in einem bedenklichen Widerspruch zu den Erlösen am Markt, die Betriebe schrieben rote Zahlen. Zudem sorgen die Pläne der EU, per Kappung und Degression die Agrarförderung ab 2028 für Betriebe ab einer bestimmten Hektargröße massiv zu kürzen, für extreme Unsicherheit und Zukunftssorgen, begründete Terno die Zurückhaltung der Landwirte.
„Wir haben in allen Bereichen fast keine Kosten deckenden Preise mehr. Vor zehn Jahren betrug der Mindestlohn noch 8 € und das Stückchen Butter kostete 2,50 €, heute beträgt der Mindestlohn gut 14 €, die Butter kostet aber nur 90 Cent“, verdeutlicht der Vizepräsident die wirtschaftliche Schieflage in der Landwirtschaft, über die man an einem Landpartietag mit den Gastgebern ins Gespräch gehen kann.
Die Brandenburger Landpartie ist daher ein Seismograf der Stimmungslage in der Landwirtschaft. Das Engagement der landwirtschaftlichen Unternehmen hinsichtlich der Ausrichtung von Festlichkeiten, von öffentlichkeitswirksamen Aktionen, von Formaten des Miteinanders auf dem Land steht und fällt mit ihrer wirtschaftlichen Situation. Der Landesbauernverband ruft daher Brandenburger und Berliner dazu auf, sich den Slogan „Meine Wahl ist regional“ beim Einkauf zu eigen zu machen, bewusst regional einzukaufen und auf diese Weise die regionale Erzeugung von Lebensmitteln vor der eigenen Haustür zu unterstützen.
Heiko Terno: „Wir brauchen ein neues Bewusstsein für die landwirtschaftliche Produktion hier im Land, sonst schauen wir uns zukünftig die Kühe nur noch im Tierpark an.“
Pläne der EU-Kommission gefährden den Wirtschaftsstandort Brandenburg und ganz Ostdeutschland – Bundesregierung muss endlich klar gegenhalten
„Rund 85 Millionen Euro EU-Mittel hätte das Land Brandenburg ab 2028 weniger zur Verfügung, wenn die EU-Kommission ihre Pläne der Kürzung der Agrarausgleichszahlungen einseitig umsetzt“, äußert sich LBV-Präsident Henrik Wendorff, nachdem EU-Agrarkommissar Christophe Hansen sein Festhalten an der Notwendigkeit von Kappung und Degression der EU-Direktzahlungen ein weiteres Mal öffentlich bekräftigt hat.
„Ich warne vor einer Diskriminierung ostdeutscher Landwirtschaft. Anscheinend ist sich die Europäische Kommission der Folgen nicht bewusst: Errungenschaften wie moderne Arbeitsplätze, Vollbeschäftigung, hohe Produktions- und Sozialstandards zu tauschen gegen abgehängte ländliche Regionen mit Agrarstrukturen aus dem vorletzten Jahrhundert. So wächst Misstrauen in politische Entscheidungen, die aus weiter Ferne getroffen werden“, so Wendorff.
Von den nach wie vor zur Rede stehenden Kürzungen der EU-Agrarzahlungen durch Kappung und Degression wären in Brandenburg knapp 2.000 der landwirtschaftlichen Betriebe betroffen. Das entspräche derzeit rund 37 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe im Land Brandenburg. Diese halten 80 Prozent der Nutztiere und bewirtschaften rund 90 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Brandenburgs. In diesen Betrieben arbeiten 68 Prozent der rund 31.800 landwirtschaftlichen Arbeitskräfte, 60 Prozent aller in der Landwirtschaft weiblichen Beschäftigten wären betroffen.
„Nicht allein, dass die Betriebe ihre Produktion zurückfahren müssten, massiv Stellen abbauen würden und Investitionen in neue Anlagen, Technologien, Maschinen in weite Ferne rücken würden – die EU untergräbt mit diesen Plänen ihre eigenen Ziele der Stärkung der Resilienz der ländlichen Räume, von jungen Führungskräften und Frauen in der Landwirtschaft“, so Wendorff weiter. „Am meisten schockiert mich jedoch das naive Idealbild von einem Landwirtschaftsbetrieb, dem die Kommission unbelehrbar nachhängt: ein Bauer bewirtschaftet seinen Hof, ein einsamer Traktorist zieht seine Bahnen über ein paar Hektar Land. Moderne, digitalisierte Betriebe mit sozialversicherungspflichtigen Angestellten und als Genossenschaft oder GmbH organisiert scheinen in deren Gedankenwelt kaum vorzukommen.“
Laut Einschätzung des Landesbauernverbandes konnte die EU-Kommission bisher keine Belege liefern, die die angekündigten Kürzungen der Einkommensgrundstützung betriebswirtschaftlich rechtfertigen. Es muss daher von einem rein ideologiegetriebenen Handeln ausgegangen werden, das sogar die grundlegenden Vereinbarungen im Artikel 39 des Vertrags zur „Arbeitsweise der Europäischen Union“ missachtet. Dieser schreibt fest, dass „die besondere Eigenart der landwirtschaftlichen Tätigkeit, die sich aus dem sozialen Aufbau der Landwirtschaft und den strukturellen und naturbedingten Unterschieden der verschiedenen landwirtschaftlichen Gebiete ergibt“, bei der Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik zu berücksichtigen sei. Die jüngsten Aussagen Hansens über den Aufkauf von Flächen in drei europäischen Ländern durch einen Scheich aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sind vor diesem Hintergrund weit entfernt von einer differenzierten Betrachtung der regionalen Besonderheiten der Agrarstrukturen in den EU-Mitgliedsstaaten.
„Die plakativen Extrembeispiele, mit denen EU-Kommissar Hansen seine Argumentation würzt, dürfen nicht dazu führen, dass unterschiedliche Betriebsgrößen und Bewirtschaftungsarten in der ostdeutschen Landwirtschaft gegeneinander ausgespielt werden. Wir haben in Brandenburg dank der Einkommensgrundstützung in der GAP zukunftsfähige Strukturen mit unabhängiger Beschäftigung, klimafreundlichen Technologien und wichtigen Dienstleistungen für den ländlichen Raum aufgebaut. Ich erwarte von einem Bundeskanzler Merz, dass er endlich klar dagegenhält und auch für den Osten Deutschlands einsteht. Ansonsten droht ein weiterer Vertrauensverlust in die Politik“, unterstreicht Wendorff.
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