Tag der Milch: Insta-Kampagne von Brandenburgs Milcherzeugerinnen |
Landesbauernverband warnt vor weiterem Rückgang systemrelevanter Milchviehbetriebe
Anlässlich des Tags der Milch am 1. Juni erklären Brandenburger Tierwirtinnen bis zum Aktionstag in kurzen Insta-Reels Wissenswertes zur Erzeugung des wertvollen Produktes Milch. Kuh- und Kalb-Beziehung, Fütterung vom heimischen Acker, Digitalisierung und Tierwohl, Melkroboter und Melkkarussel, Vermarktung, Genuss und Milchpolitik – die Beiträge auf Instagram @lbv_brandenburg überzeugen von einer hoch professionellen und zukunftsweisenden Milcherzeugung im Brandenburg.
Das sichtbare Potenzial der Branche steht jedoch in eklatantem Kontrast zur eigenen Einschätzung ihrer Zukunftsfähigkeit. Mit großer Sorge bestätigen Milcherzeuger die kürzlich auf der Jahrestagung präsentierte Prognose ihres Interessenverbandes der Milcherzeuger (IVM), dass die Zahl der großen und professionell gemanagten ostdeutschen Milchviehbetriebe, die an der Milchleistungsprüfung (MLP) teilnehmen, in den nächsten 20 Jahren auf nur noch 500 Betriebe zurück gehen könnte. So seien im Jahr 1995 in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zusammen noch 4.764 MLP-Betriebe gezählt worden. Im Jahr 2026 sind davon nur noch 1.356 Betriebe übrig.
„Der Strukturwandel in der Milchviehhaltung wird sich in Ostdeutschland voraussichtlich weiter beschleunigen. Der Grund ist schlicht und einfach die fehlende wirtschaftliche und politische Planungssicherheit. Viele Ställe in Ostdeutschland stammen noch aus DDR-Zeiten oder wurden in den 1990ern umgebaut. Jetzt stehen enorme Investitionen an. Für einen modernen Milchviehstall sprechen wir schnell von mehreren Millionen Euro“, bestätigt Lars Schmidt, Vorsitzender des LBV-Milchbeirates den Trend.
„Langwierige Genehmigungsverfahren und starre Vorgaben im Bau- und Immissionsschutzrecht, aber auch fehlende Förderung verschärfen die Situation. Wir warten seit Ende letzten Jahres auf die Wiederauflage der einzelbetrieblichen Investitionsrichtlinie, mit der etwa Stallumbauten gefördert werden. Umso dringender ist es, dass die Politik hier gegensteuert und alles dafür tut, unsere hoch professionelle und zukunftsorientierte Milchwirtschaft im Land zu halten und zu stärken! Das dient nicht nur der Landwirtschaft, sondern ist strategische Wirtschaftsförderung für den ländlichen Raum.“
Die wichtigsten Angriffspunkte dafür hatte der Landesbauernverband bereits im Jahr 2024 in seinem Vorschlag für eine „Nutztierstrategie“ für das Land Brandenburg festgeschrieben. Oberste Zielsetzung sei eine Verdopplung des Tierbestandes von derzeit 0,4 Großvieheinheiten auf 0,8 Großvieheinheiten, um für den Standort Brandenburg die klaffende Lücke im ökologisch sinnvollen Nährstoffkreislauf zu schließen. „Organische Düngung aus der Tierhaltung für die nährstoffarmen und sanddominierten Böden in Brandenburg – das ist einfach ein Match!“, unterstreicht Jana Gäbert, Geschäftsführerin der agt Agrar GmbH Trebbin mit dem Schwerpunkt Milchproduktion und Jungrinderaufzucht, diesen essenziellen Fakt, der angesichts der Düngemittelknappheit in Europa an Brisanz gewinnt.
Eine gemeinsame Kraftanstrengung zum Aufbau von Tierbeständen und zur Schließung von Wertschöpfungsketten entsprechend dieser Nutztierstrategie, sowie die Einbindung der weiteren wichtigen Bereiche Düngung, Wassermanagement, Tiergesundheitsmanagement, Futteranbau, Forschung und Innovation müsse daher sofort auf die politische Agenda, unterstreicht Schmidt. „Wir können es uns einfach nicht leisten, die Milchwirtschaft als weiteren Standortfaktor Brandenburgs ausbluten zu lassen. “
Landwirtschaft als Kernstück des Ernährungsministeriums in Brandenburg stärken - Kein unnötiges Karussell von Personal und Struktur
Das erwogene Karussell von Personal und Struktur innerhalb des Ministeriums für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV) muss darauf abzielen, die bislang bewährten Abteilungsstrukturen mit ihren unterschiedlichen Kompetenzen und Zuständigkeiten endlich zu stärken. Dazu gehört weiterhin eine eigenständige und den Herausforderungen geschuldete Abteilung Landwirtschaft, welche die Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft sowie den Gartenbau und die weiteren, vielfältigen Aspekte der Nutzung unserer Kulturlandschaft bündelt.
Hierzu erklärte LBV-Präsident Wendorff: „Mir ist bekannt, dass innerhalb des Ernährungsministeriums darüber nachgedacht wird, die zentrale Abteilung Landwirtschaft weiter aufzuteilen und Kernaufgaben der Agrarverwaltung wie Düngung und Pflanzenschutz an andere, fachfremde Abteilungen des Hauses zu übertragen. Diese Weichenstellungen verwundern mich, da sie in einem fundamentalen Widerspruch zu selbsterklärten Zielen der Landesregierung stehen, die Landwirtschaft in Brandenburg und damit die regionale Wertschöpfung zu stärken. Ich hoffe, dass es sich dabei lediglich um eine nicht bis zum Ende gedachte Idee handelt.“
Das MLEUV besteht traditionell neben der Grundsatzabteilung aus den Abteilungen Wasser (2), Landwirtschaft (3), Naturschutz (4) und technischer Umweltschutz (5). Mit Beginn der letzten Legislaturperiode kam der Bereich des Verbraucherschutzes (6) mit immerhin 5 Referaten hinzu, zu welchem auch der Landestierarzt und der Tierschutz gehört.
LBV-Präsident Wendorff: „Verbraucherschutz und Landwirtschaft ergänzen sich, sind aber nicht dasselbe. Es entsteht der Eindruck, man wolle in der Verbraucherschutzverwaltung wichtige landwirtschaftliche Kernbereiche wie Düngung oder Pflanzenschutz einfach nur ‚mit’ verwalten, aber gerade hier bedarf es zusätzlicher fachlicher Kompetenz, die ich in dieser Abteilung so nicht erkennen kann.“
Brandenburg steht vor wichtigen Weichenstellungen für die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft. So soll nach wiederholten Ankündigungen nunmehr endlich die lange überfällige Nutztierstrategie erarbeitet werden um den Zerfall der Tierhaltung zu stoppen. Angesichts der immer weiter sinkenden Tierbestände in Brandenburg ist es notwendig, diesem Bereich innerhalb des Ministeriums ein besonderes und eigenständiges Gewicht zuzumessen, um Tierhaltung als Kernstück der landwirtschaftlichen Kreislaufwirtschaft nicht von vornherein ganz aufzugeben.
LBV-Präsident Wendorff: „Die lange überfällige Nutztierstrategie muss auch in der Struktur des Ministeriums zusätzliches Gewicht bekommen. Bei allem Respekt kann ich dies bei einem möglichen Zusammenlegen verschiedener Bereiche nicht erkennen.“
Viehdiebstähle: Landesbauernverband Brandenburg bittet Bevölkerung um erhöhte Aufmerksamkeit
Vor dem Hintergrund von Tierdiebstählen bittet der Landesbauernverband Brandenburg die Anwohnerinnen und Anwohner in der Nähe von Rinderweiden und ausgelagerten Stallungen um erhöhte Aufmerksamkeit und Mithilfe. Ungewöhnliche Bewegungen von unbekannten Transportfahrzeugen und Personen, insbesondere zu außergewöhnlichen Zeiten des Nachts, frühmorgens oder am Wochenende können ein Indiz dafür sein, hier stimmt etwas nicht. Viehherden, die durch unruhiges Verhalten wie plötzliches Aufstehen, Sammeln an einer Stelle oder Fluchtversuche auffallen, können ebenfalls ein Signal sein.
Die Betriebe, denen Herden und Flächen zugeordnet werden können, bitten darum, sie in diesem Fall zu kontaktieren oder auch sofort die Polizei zu alarmieren. Hilfreich sind dann Auskünfte zum gesichteten Fahrzeugtyp, zum Kennzeichen, zum Zeitpunkt der Beobachtung und eventuelle Personenbeschreibungen.
Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes, setzt verstärkt auf diese Form der gegenseitigen Unterstützung auf dem Land: „Unsere Betriebe und unsere Nutzflächen sind den meisten Bewohnerinnen und Bewohnern in den benachbarten Dörfern bekannt. Wir bitten daher ausdrücklich darum, sich bei den Betrieben zu melden, wenn sie fremde Fahrzeuge oder Personen an Weiden, Ställen oder Zufahrten bemerken. Wir wissen, dass die Polizeidirektionen vor Ort für mögliche Vorkommnisse sensibilisiert sind und den Hinweisen der Bürgerinnen und Bürger mit erhöhter Aufmerksamkeit nachgehen werden. Wir sind der Polizei und den zuständigen Ministerien für ihre Unterstützung bei dem Thema dankbar.“
Die verantwortlichen Betriebe wiederum werden dringend angehalten, die Frequenz der Kontrollgänge auf den Weiden vor allem zu unregelmäßigen Zeiten zu erhöhen, die Anwohnerinnen und Anwohner auch über Social-Media-Kanäle um Unterstützung zu bitten und technische Möglichkeiten der zusätzlichen Überwachung zu erwägen.
Anlass ist der nun bereits dritte folgenschwere Viehdiebstahl in einem Zeitraum von nur zwei Wochen, zuletzt im Landkreis Spree-Neiße, nachdem bereits in den Landkreisen Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz schwere Viehdiebställe vorgefallen sind. Bei allen drei betroffenen Betrieben in den Verbandsgebieten Elbe-Elster und Südbrandenburg handelt es sich um Herdbuchzuchten mit wertvollen Zuchttieren, zu denen auch eine ausgeprägte emotionale Bindung besteht.
„Gestohlen werden nicht nur Rinder, sondern auch wertvolle Genreserven!“, Lars Schmidt.
„Die Diebe gehen absolut kaltblütig und erschreckend professionell zugleich vor“, äußert sich Lars Schmidt, LBV-Vorstandsmitglied und selbst Züchter von Angusrindern. „Mit jedem gestohlenen Tier erfahren die Halter nicht nur einen erheblichen Wertverlust, es verschwinden auch wertvolle Genreserven ganz besonderer Rinderrassen, die die Vielfalt von Nutztieren in Brandenburg ausmachen. Wir Züchter arbeiten über Jahrzehnte daran, unsere Zuchtlinien aufzubauen und unseren Beitrag zum Erhalt dieser Vielfalt an Rinderrassen zu erhalten. Helfen Sie uns, weitere Diebstähle zu verhindern!“
„Auch die Brandenburger Landwirtschaft steht unverschuldet unter dem Druck einer angespannten politischen Weltlage. Gerade deshalb und jetzt sind wir bereit, unseren Anteil zur Stärkung des ländlichen Raums zu leisten“,
bekräftigt Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg auf dem verbandspolitischen Diskussionspodium im Rahmen der Bauernversammlung zum Auftakt der BraLa 2026.
„Dafür brauchen wir die Unterstützung der Landesregierung und praktikable Rahmenbedingungen. Eine seit längerem ausstehende Richtlinie zur Förderung von Einzelbetrieblichen Investitionen ist ganz klar das falsche Signal. Eine schnelle Wiedereinführung muss oberste Priorität haben!“,
unterstreicht der Präsident im Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden der Parteien SPD, CDU, BSW sowie AfD des Brandenburger Landtages. Die Mittel dafür würde der Bund auch aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) entnehmen. Verwaltungsverschuldete Verzögerungen bei der Bereitstellung dieser Gelder für Brandenburg, wie sie der Verband schon in der vergangenen Legislatur erlebt hat, seien angesichts der prekären Lage der Unternehmen nicht hinnehmbar.
Neben der schnelleren Umsetzung längst beschiedener Maßnahmen braucht es Pragmatismus und Weitsicht im Prozess der Novellierung der Baugesetzgebung sowie bei Maßnahmen der Digitalisierung, führt Wendorff aus. Zwar registriere der Verband den parteiübergreifenden Zuspruch für die Vorschläge des Verbandes zur Entschlackung der Bauordnung im Außenbereich, zum Beispiel bei Stallumbauten, bei der Umnutzung von landwirtschaftlichen Bestandsbauten oder bei der Errichtung von Weideunterständen. Gleichzeitig drohen durch die Wiederherstellungsverordnung der EU neue Einschränkungen der landwirtschaftlichen Nutzflächen, die die gerade erreichten Verbesserungen im Baurecht aushebeln können.
„Dass die Wiederherstellungsverordnung quasi als politischer Unfall der EU gewertet werden kann und die Verantwortlichen nicht mehr greifbar sind, nützt uns nichts“, erläutert Wendorff. „Wir müssen unsere strukturellen Entscheidungen für Brandenburg EU-sicher gestalten.“
Wendorff nutzte zudem das Podium, um für Pragmatismus und Ausgewogenheit im Zuge der Digitalisierung zu plädieren. Das nur noch per App verfügbare Beantragungsverfahren für Förderung beim Nachweis der Artenvielfalt im Grünland (Öko-Regel 5) erfährt erheblich weniger Akzeptanz als noch im Vorjahr. So drohen dem Land Brandenburg Mittel aus der Gemeinsamen Agrarpolitik in Höhe von zweistelligen Millionenbeträgen verloren zu gehen.
„Tempo, Pragmatismus und die Anerkennung und Einbindung der berufsständischen Vertretung in alle agrarpolitischen Entscheidungen, das ist das, was wir heute den politischen Entscheidungsträgern noch einmal nachdrücklich mit auf den Weg geben wollen“, beschließt Henrik Wendorff die Bauernversammlung.
Die traditionelle Bauernversammlung des Landesbauernverbandes und seiner Partnerverbände im ländlichen Raum identifiziert alljährlich zur BraLa gemeinsam mit den politischen Spitzenvertreterinnen und -vertretern die aktuellen Herausforderungen für die Brandenburger Landwirtschaft sowie das, was es braucht, um ihr als Anker des ländlichen Raums die nötige Rückenstärkung zu geben. Als Vertreter der Landesregierung war Gordon Hoffmann, Minister für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg zu Gast, der sich vehement für eine Anpassung der Ausbildung in den Grünen Berufen an die gewachsenen, hohen technologischen Ansprüche der Landwirtschaft aussprach.
Win-Win-Situation bei Vorhaben der Wiedervernässung von Mooren ist unser Ziel
Zur kürzlich veröffentlichten ‚Palu‘-Richtlinie des Bundes zur Förderung von Maßnahmen der Wiedervernässung äußert sich Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, wie folgt:
„Wir reden von Ergebnissen, die wahrscheinlich nicht mehr umkehrbar sind. Die oft genannten Paludi-Kulturen, die hier als potenzielles Erfolgsprodukt promotet werden, sind keine Lebensmittel und müssen sich als ein erfolgreiches Glied in Wertschöpfungsketten erst noch beweisen. Gleichzeitig erkennen wir noch zahlreiche Zielkonflikte, da die Auswirkungen der Anstauungen von Wasser an Grundstücksgrenzen nicht Halt machen oder bisher gewollte und geschützte Biotope buchstäblich im Wasser versinken. Mit dem im Jahr 2023 im Moorschutzplan des Landes Brandenburg veröffentlichten Ziel einer Anstauung von Wasser bis zu 30 cm unter der Flur, sind wir daher näher an einer Win-Win-Situation zwischen Klimaschutz und Ernährungssicherung dran.“ Brandenburgs Landwirte würden die wertvolle Klimaleistung der Moore anerkennen und hätten damit bereits einen praktikablen Kompromiss zwischen Klimazielen und ökonomischen als auch agrarstrukturellen Folgen erarbeitet.
Im Unterschied zu früheren Ansätzen von Moorschutzprogrammen sieht der Landesbauernverband Brandenburg jedoch auch Fortschritte:
Das hohe Prinzip der Freiwilligkeit bleibt erhalten. Für Betriebe, die ihre Niedermoorstandorte nicht mehr traditionell nutzen, kann die geförderte Moorbewirtschaftung eine ergänzende Einkommensquelle sein.
Erstmals werden Flächeneigentümer, Wasser- und Bodenverbände sowie Flächenbewirtschafter gleichzeitig angesprochen und können jeweils individuell erarbeitete Fördermodule in Anspruch nehmen.
In die Förderung einbegriffen ist eine Kompensation des Wertverlustes von land- und forstwirtschaftlichen Flächen infolge der Wiedervernässung.
Auf der anderen Seite verbirgt sich hinter den Förderanreizen und den verschiedenen, auffällig unkomplizierten Hebeln für den Erwerb von landwirtschaftlicher Nutzfläche zum Zwecke der Wiedervernässung auch eine staatlich gewollte und geförderte Abkehr von der landwirtschaftlichen Urerzeugung, die tief nachdenklich stimmen sollte.
Auch stehen die kurzen Förderzeiträume sowie die begrenzten Fördermittel des Programms nicht im Verhältnis zur Dauerhaftigkeit und zur Endgültigkeit der Maßnahmen. Nachfolgende Generationen erben unproduktive Moorstandorte, statt fruchtbares Grünland für die Ernährungssicherung.
Wendorff: „Die Frage, wo zukünftig die Lebensmittel für Deutschland erzeugt werden, muss man sich deutlicher denn je stellen.“