29.05.2026 Aktuelles Agrar- & Verbandspolitik, Nutztierhaltung ca. 3 Min. Lesezeit

Tag der Milch: Insta-Kampagne von Brandenburgs Milcherzeugerinnen

Kuh

Tag der Milch: Insta-Kampagne von Brandenburgs Milcherzeugerinnen |
Landesbauernverband warnt vor weiterem Rückgang systemrelevanter Milchviehbetriebe
 
Anlässlich des Tags der Milch am 1. Juni erklären Brandenburger Tierwirtinnen bis zum Aktionstag in kurzen Insta-Reels Wissenswertes zur Erzeugung des wertvollen Produktes Milch. Kuh- und Kalb-Beziehung, Fütterung vom heimischen Acker, Digitalisierung und Tierwohl, Melkroboter und Melkkarussel, Vermarktung, Genuss und Milchpolitik – die Beiträge auf Instagram @lbv_brandenburg überzeugen von einer hoch professionellen und zukunftsweisenden Milcherzeugung im Brandenburg. 
 
Das sichtbare Potenzial der Branche steht jedoch in eklatantem Kontrast zur eigenen Einschätzung ihrer Zukunftsfähigkeit. Mit großer Sorge bestätigen Milcherzeuger die kürzlich auf der Jahrestagung präsentierte Prognose ihres Interessenverbandes der Milcherzeuger (IVM), dass die Zahl der großen und professionell gemanagten ostdeutschen Milchviehbetriebe, die an der Milchleistungsprüfung (MLP) teilnehmen, in den nächsten 20 Jahren auf nur noch 500 Betriebe zurück gehen könnte. So seien im Jahr 1995 in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zusammen noch 4.764 MLP-Betriebe gezählt worden. Im Jahr 2026 sind davon nur noch 1.356 Betriebe übrig.
 
„Der Strukturwandel in der Milchviehhaltung wird sich in Ostdeutschland voraussichtlich weiter beschleunigen. Der Grund ist schlicht und einfach die fehlende wirtschaftliche und politische Planungssicherheit. Viele Ställe in Ostdeutschland stammen noch aus DDR-Zeiten oder wurden in den 1990ern umgebaut. Jetzt stehen enorme Investitionen an. Für einen modernen Milchviehstall sprechen wir schnell von mehreren Millionen Euro“, bestätigt Lars Schmidt, Vorsitzender des LBV-Milchbeirates den Trend.
 
„Langwierige Genehmigungsverfahren und starre Vorgaben im Bau- und Immissionsschutzrecht, aber auch fehlende Förderung verschärfen die Situation. Wir warten seit Ende letzten Jahres auf die Wiederauflage der einzelbetrieblichen Investitionsrichtlinie, mit der etwa Stallumbauten gefördert werden. Umso dringender ist es, dass die Politik hier gegensteuert und alles dafür tut, unsere hoch professionelle und zukunftsorientierte Milchwirtschaft im Land zu halten und zu stärken! Das dient nicht nur der Landwirtschaft, sondern ist strategische Wirtschaftsförderung für den ländlichen Raum.“
 
Die wichtigsten Angriffspunkte dafür hatte der Landesbauernverband bereits im Jahr 2024 in seinem Vorschlag für eine „Nutztierstrategie“ für das Land Brandenburg festgeschrieben. Oberste Zielsetzung sei eine Verdopplung des Tierbestandes von derzeit 0,4 Großvieheinheiten auf 0,8 Großvieheinheiten, um für den Standort Brandenburg die klaffende Lücke im ökologisch sinnvollen Nährstoffkreislauf zu schließen. „Organische Düngung aus der Tierhaltung für die nährstoffarmen und sanddominierten Böden in Brandenburg – das ist einfach ein Match!“, unterstreicht Jana Gäbert, Geschäftsführerin der agt Agrar GmbH Trebbin mit dem Schwerpunkt Milchproduktion und Jungrinderaufzucht, diesen essenziellen Fakt, der angesichts der Düngemittelknappheit in Europa an Brisanz gewinnt.
 
Eine gemeinsame Kraftanstrengung zum Aufbau von Tierbeständen und zur Schließung von Wertschöpfungsketten entsprechend dieser Nutztierstrategie, sowie die Einbindung der weiteren wichtigen Bereiche Düngung, Wassermanagement, Tiergesundheitsmanagement, Futteranbau, Forschung und Innovation müsse daher sofort auf die politische Agenda, unterstreicht Schmidt. „Wir können es uns einfach nicht leisten, die Milchwirtschaft als weiteren Standortfaktor Brandenburgs ausbluten zu lassen. “