Rapserdfloh: winziger Käfer, großer Schaden – Fraß an jungen Rapspflanzen gefährdet die Bestände
Brandenburgs Landwirte machen sich Sorgen um ihren Raps. Rapserdflöhe setzen den jungen Pflanzen zu und fressen Löcher in die Keimblätter, Blattfläche und die Photosynthese werden deutlich reduziert. Der Fraß des Rapserdflohs, der anders als sein Name vermuten lässt, zur Familie der Blattkäfer gehört, schwächt die jungen Pflanzen, beeinträchtigt ihre Entwicklung oder lässt sie gar absterben. Viele, gerade erst aufgelaufene Rapsbestände zeigen bereits erhebliche Schäden.
Für die Bekämpfung des Käfers und seiner gefräßigen Larven ist nur noch ein synthetischer Wirkstoff zugelassen, der zudem erst bei einer Schadschwelle von 10 Prozent eingesetzt werden darf. Landwirt Stefan Bernickel erklärt: „Seit Jahren darf eine Beizung des Saatguts die jungen Pflanzen nicht mehr schützen. Eine ökologische, ökonomische und politische Katastrophe. Ökologisch, da ich stattdessen den zur Verfügung stehenden Wirkstoff in vielen Überfahrten oberflächlich mit der Spritze ausbringen muss, bei zeitgleich weniger Wirkung. Ökonomisch, weil wir mit mehr Aufwendungen weniger Ertrag haben und politisch, weil man diese falsche Entscheidung nicht revidiert.“ Im ökologischen Landbau gibt es keine Mittel zur direkten biologischen Bekämpfung. Bio-Rapsanbau stellt daher in Deutschland eine absolute Nische dar.
Der Befall mit dem Rapserdfloh führt zu lückigen Beständen, höheren Ausfallrisiken und erheblichen Ertragsverlusten. Ab dem Frühjahr setzen zudem weitere Schadinsekten wie der Kohltriebrüssler oder die Kohlschotenmücke den Pflanzen zu. Brandenburgs Landwirte ernteten in diesem Jahr im Schnitt nur noch 2,1 Tonnen Raps pro Hektar. Drei Tonnen sind notwendig, um die Kosten zu decken. Mit den niedrigen Erträgen verliert der Raps seine Rolle als „Cashcow“ des Betriebs. Die aus den Schoten der Ölfrucht gewonnene Rapssaat ist ein gefragter Rohstoff sowohl für die menschliche Ernährung als auch für die Futtermittelherstellung und die chemische Industrie.
„Wir müssen darüber sprechen, wie wir den Raps in unserer Fruchtfolge erhalten können“, unterstreicht Bernickel. „Wir verlieren sonst eines unserer wichtigsten Standbeine. Die Lücke auf dem Markt wird dann durch Importe gefüllt – die Lücke in meinem Betrieb bleibt aber. Für den Schutz dieser wichtigen Kultur brauchen wir neue Wirkstoffe, die wirksam, umweltverträglich, aber auch finanzierbar sind und uns nicht aus dem Wettbewerb mit Ländern katapultieren, in denen weniger strenge Vorgaben für chemische Pflanzenschutzmittel gelten.“
Vier Mitgliedsbetriebe des Landesbauernverbandes stellen sich zur Verfügung, ihre Sorgen rund um einen winzigen Käfer zu teilen, die Bedeutung des Rapsanbaus für die Brandenburger Landwirtschaft zu erläutern und eine lösungsorientierte Diskussion zum wirksamen Pflanzenschutz im Raps anzuregen.
Stefan Bernickel – Schadenschätzer und Landwirt in der Uckermark;
Er erklärt die Schadenssituation auf dem Acker im Raum Prenzlau/Angermünde. Tel.: 0173 642 4134
Wenke Möllhoff – Landwirtin in der Uckermark und Vorsitzende des Bauernverbandes Uckermark;
Sie erklärt die grundsätzliche Problematik zu Rapsschädlingen und besonders den starken Befall des Rapserflohs. Tel: 0176 81052017
Dirk Peters – Landwirt im Havelland und Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Havelland;
Dirk Peters hat bereits die MagicTrap gegen Erdflöhe auf dem Acker installiert. Mit der kamera- und GPS-gestützten Rapsflohfalle überwacht er den Befall und versucht so dem Problem Herr zu werden. Tel.: 03321 48568
Heiko Terno Landwirt und Vorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg e.V.;
Heiko Terno baut auf 70 Hektar Raps an, musste 2026 jedoch eine enttäuschende Ernte von nur 1,6 t/ha hinnehmen. 2027 versucht es Terno erneut mit Raps, doch aktuell bereitet ihm vor allem der Rapserdfloh an den jungen Pflanzen große Sorgen. Tel.: 0172 60 35 521
Bildunterschriften:
Rapserdfloh – Schadbild 1: Anfang September, nach der Aussaat und Keimung des neuen Rapsbestandes, erobern die Jungtiere des Rapserdflohs die noch zarten jungen Rapspflanzen. Sie fressen die typischen kleinen, kreisrunden Löcher in die Blätter der jungen Pflanzen, bevor die Weibchen etwa zwei Wochen später ihre Eier in den Boden dich an den Stängeln der Pflanze ablegen.
Rapserdfloh – Schadbild 2: Nachdem die Larven aus den Eiern geschlüpft sind, fressen diese sich in schmalen braunen Gängen in die Stängel der Pflanze vor und schädigen diese nachhaltig.