08.05.2026 Aktuelles Agrar- & Verbandspolitik, Veranstaltungen ca. 3 Min. Lesezeit

Das Wichtigste zuerst! Brandenburgs Bauern fordern Tempo und Pragmatismus

Bauernversammlung 2026, Abschlussfoto mit den Fraktionsvorsitzenden von SPD, CDU, BSW sowie AfD und dem Präsidium des LBV.

„Auch die Brandenburger Landwirtschaft steht unverschuldet unter dem Druck einer angespannten politischen Weltlage. Gerade deshalb und jetzt sind wir bereit, unseren Anteil zur Stärkung des ländlichen Raums zu leisten“,

bekräftigt Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg auf dem verbandspolitischen Diskussionspodium im Rahmen der Bauernversammlung zum Auftakt der BraLa 2026. 

„Dafür brauchen wir die Unterstützung der Landesregierung und praktikable Rahmenbedingungen. Eine seit längerem ausstehende Richtlinie zur Förderung von Einzelbetrieblichen Investitionen ist ganz klar das falsche Signal. Eine schnelle Wiedereinführung muss oberste Priorität haben!“,

unterstreicht der Präsident im Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden der Parteien SPD, CDU, BSW sowie AfD des Brandenburger Landtages. Die Mittel dafür würde der Bund auch aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) entnehmen. Verwaltungsverschuldete Verzögerungen bei der Bereitstellung dieser Gelder für Brandenburg, wie sie der Verband schon in der vergangenen Legislatur erlebt hat, seien angesichts der prekären Lage der Unternehmen nicht hinnehmbar.

Neben der schnelleren Umsetzung längst beschiedener Maßnahmen braucht es Pragmatismus und Weitsicht im Prozess der Novellierung der Baugesetzgebung sowie bei Maßnahmen der Digitalisierung, führt Wendorff aus. Zwar registriere der Verband den parteiübergreifenden Zuspruch für die Vorschläge des Verbandes zur Entschlackung der Bauordnung im Außenbereich, zum Beispiel bei Stallumbauten, bei der Umnutzung von landwirtschaftlichen Bestandsbauten oder bei der Errichtung von Weideunterständen. Gleichzeitig drohen durch die Wiederherstellungsverordnung der EU neue Einschränkungen der landwirtschaftlichen Nutzflächen, die die gerade erreichten Verbesserungen im Baurecht aushebeln können.

„Dass die Wiederherstellungsverordnung quasi als politischer Unfall der EU gewertet werden kann und die Verantwortlichen nicht mehr greifbar sind, nützt uns nichts“, erläutert Wendorff. „Wir müssen unsere strukturellen Entscheidungen für Brandenburg EU-sicher gestalten.“

Wendorff nutzte zudem das Podium, um für Pragmatismus und Ausgewogenheit im Zuge der Digitalisierung zu plädieren. Das nur noch per App verfügbare Beantragungsverfahren für Förderung beim Nachweis der Artenvielfalt im Grünland (Öko-Regel 5) erfährt erheblich weniger Akzeptanz als noch im Vorjahr. So drohen dem Land Brandenburg Mittel aus der Gemeinsamen Agrarpolitik in Höhe von zweistelligen Millionenbeträgen verloren zu gehen.

„Tempo, Pragmatismus und die Anerkennung und Einbindung der berufsständischen Vertretung in alle agrarpolitischen Entscheidungen, das ist das, was wir heute den politischen Entscheidungsträgern noch einmal nachdrücklich mit auf den Weg geben wollen“, beschließt Henrik Wendorff die Bauernversammlung.

Die traditionelle Bauernversammlung des Landesbauernverbandes und seiner Partnerverbände im ländlichen Raum identifiziert alljährlich zur BraLa gemeinsam mit den politischen Spitzenvertreterinnen und -vertretern die aktuellen Herausforderungen für die Brandenburger Landwirtschaft sowie das, was es braucht, um ihr als Anker des ländlichen Raums die nötige Rückenstärkung zu geben. Als Vertreter der Landesregierung war Gordon Hoffmann, Minister für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg zu Gast, der sich vehement für eine Anpassung der Ausbildung in den Grünen Berufen an die gewachsenen, hohen technologischen Ansprüche der Landwirtschaft aussprach.