Wendorff: „Autobahnzufahrten sind
kein guter Ort für berechtigten Protest“

PRESSEMITTEILUNG

(Teltow, 06.01.2026) Vor dem Hintergrund der Diskussion über die Auswirkungen des geplanten Mercosur-Abkommens für die Landwirtschaft in Deutschland mahnt der Landesbauernverband eine Refokussierung auf die dringlichen Kernanliegen des Berufsstandes an. Diese sollten zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und bei den richtigen Adressaten platziert werden. LBV-Präsident Henrik Wendorff:

„Autobahnzufahrten sind kein guter Ort für den berechtigten Protest der Landwirte gegen die aktuelle Agrarpolitik. Mercosur würde zwar – oberflächlich betrachtet – die wirtschaftliche Situation bei den Landwirten verschärfen. Die Ursachen liegen jedoch tiefer, und genau hier setzt die Arbeit der Bauernverbände an.“

Anhaltend niedrige Erzeugerpreise sowohl bei Marktfrüchten als auch bei tierischen Produkten, verheerende preispolitische Signale des Lebensmitteleinzelhandels, steigende Produktionskosten und fehlende Planungssicherheit frustrieren die landwirtschaftlichen Unternehmerinnen und Unternehmer. In dieser Situation dient die geplante Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens, das Kontingente zollfreier Einfuhren landwirtschaftlicher Produkte vorsieht, als willkommenes Ventil und als greifbares Thema für etwaige Trecker-Demonstrationen.

Der Landesbauernverband Brandenburg hat daher in einem Informationsschreiben an seine Mitglieder die realen Auswirkungen auf die Branche in Zahlen analysiert und die Relevanz für Protestaktionen auf der Straße als nicht gegeben eingeordnet.

Wendorff: „Eine Behinderung der Menschen und der Wirtschaft auf dem Weg zur Arbeitsstätte, Schule oder Kindergarten ist nicht zielführend. Wir müssen den bisherigen Weg der Auseinandersetzung fortführen und uns in den entscheidenden politischen Gremien für die Interessen der landwirtschaftlichen Unternehmen einsetzen. Unsere relevanten Themen sind Düngung, Pflanzenschutz, Bau-, Tier- oder Förderrecht. Oberstes Ziel ist es, in Deutschland und Europa die Wettbewerbsfähigkeit herzustellen.“

Seit 2011 gehören der Deutsche Bauernverband und seine Landesverbände zu den zentralen Kritikern des Mercosur-Abkommens. Der anhaltende politische Druck mündete zuletzt in der Errichtung von Schutzklauseln für die europäische Landwirtschaft, die jedoch noch nachgebessert werden müssen. Die entscheidende Frage ist daher nicht das Abkommen selbst, sondern ob Kontrolle, Vollzug und Durchsetzung funktionieren.