Ausstieg aus der Schweinehaltung
nach 24 Jahren  

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Dr. Tino Erstling

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Landwirt Karsten Ilse verabschiedet sich von der Schweinehaltung. Die ASP ist der Hauptgrund

Heute Morgen um 07:30 Uhr hat Landwirt Karsten Ilse aus Letschin als einer der wenigen Schweinehalter im Landkreis Märkisch-Oderland seine letzten 36 Mastschweine verladen und auf ihren letzten Weg nach Kellinghusen geschickt. Der Schlachthof in Schleswig-Holstein ist der Einzige der bereit ist, Hausschweine aus den ASP-Restriktionszonen zu schlachten. Der Mäster muss mit erheblichen Abzügen rechnen, da nicht alle Teile des Schweines vermarktet werden dürfen. Auch die Testung auf ASP Freiheit vor der Verladung verursacht erhebliche Kosten. Seit Ausbruch der ASP in Brandenburg erlöst Karsten Ilse somit 25 Euro weniger pro Tier als Landwirte außerhalb der Restriktionszone, und dass bei der ohnehin geringen Marge. Bis vor einem Jahr hielt Ilse im Durchschnitt 1.500 Schweine, doch nun ist nach 24 Jahren Schluss. Dabei hatte der Landwirt aus Märkisch-Oderland noch vor drei Jahren viel Geld in die Modernisierung seines Stalls investiert. „Nun muss ich die Restkredite, die auf dem Stall liegen, mit den Erlösen aus dem Ackerbau bedienen. Ärgerlich, aber so verliere ich weniger Geld als wenn ich weiter Schweine mästen würde.“, erklärt der Landwirt. Karsten Ilse und sein Vater kamen Anfang der 90er Jahre nach Brandenburg, um einen neuen landwirtschaftlichen Betrieb zu begründen. Ihr Schweine hielten Sie bis zuletzt, wie es sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll ist. Sie bauten das Futter für ihre Tiere selbst an und verwendeten deren Ausscheidungen als Dünger auf ihren Äckern. Ein gutes Beispiel für flächengebundene, moderne Tierhaltung.

Die ASP ist für Karsten Ilse der Hauptgrund für die Aufgabe der Schweinehaltung. Er sieht aber auch andere Probleme. Seit einigen Jahren hat er das Gefühl, dass die Tierhaltung in Deutschland von bestimmten politischen Kräften nicht mehr gewollt ist und dass er und seine Berufskollegen deshalb bewusst in der Öffentlichkeit diskreditiert und mit immer neuen Auflagen belegt werden. „Dadurch büßen wir nach und nach unsere Konkurrenzfähigkeit gegenüber ausländischen Importen ein, die zu wesentlich geringeren Umwelt- und Sozialstandards produzieren werden.“, sagt Ilse.

Die vergangene Woche vom Brandenburger Landwirtschaftsministerium vorgestellte Richtlinie zur Unterstützung von landwirtschaftlichen Betrieben in ASP-Gebieten sei zwar ein positives Zeichen aber lediglich Kosmetik. Es werde kein Betrieb die Schweinehaltung allein wegen dieser Richtlinie fortführen. Denn es würden lediglich Mehrkosten (8-10 Euro pro Schlachtschwein) und keine Mindererlöse (ca. 15 Euro pro Tier) erstattet. Außerdem sei die Fördersumme auf 20.000 Euro in 3 Kalenderjahren begrenzt.

„Wenn wir die ASP-bedingten Schäden in der Brandenburger Landwirtschaft und in den betroffenen Regionen begrenzen wollen, müssen wir dafür sorgen, dass die Seuche möglichst schnell getilgt wird. Dazu gehören, dass der Zaunbau endlich abgeschlossen wird, die Schwarzwildbestände in den Kernzonen und in den gefährdeten Gebieten zeitnah auf null reduziert werden und der ständige Seuchendruck aus Polen unterbrochen wird. Dafür brauchen wir neben dem Grenzzaun, der bereits errichtet wurde, einen zweiten Zaun mit etwas Abstand zum Ersten. Diese Zäune müssen auch später und für einen längeren Zeitraum regelmäßig kontrolliert und gewartet werden. Die dabei entstehende „Weiße Zone“ ist dann konsequent wildschweinfrei zu halten. So haben wir vielleicht die Chance, in eineinhalb Jahren den Status ASP-frei wiederzuerlangen und freien Handel zu betreiben.“, ist sich LBV-Präsident Henrik Wendorff sicher. 

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