03.08.2026 ca. 3 Min. Lesezeit

Wie alles zusammenhängt – Einblicke in die Agrargenossenschaft Trebbin eG

(v.l.n.r.) Jana Gäbert bei der Vorstellung des Milchvieh- bereich der AG Trebbin

Wie alles zusammenhängt – Einblicke in die Agrargenossenschaft Trebbin eG

Wie kann Landwirtschaft den Herausforderungen veränderter klimatischer Bedingungen begegnen und gleichzeitig wirtschaftlich bleiben? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der „Politische Dialog zur regenerativen Landwirtschaft“, der am 8. Juni 2026 von BASF, Nestlé, Klim und der Agrargenossenschaft Trebbin eG veranstaltet wurde. Vertreterinnen und Vertreter aus Verbänden, Politik, Wissenschaft und Unternehmen nutzten die Gelegenheit, sich auf dem Betrieb über praktische Ansätze und aktuelle Herausforderungen auszutauschen.

Nach der Begrüßung stellte Geschäftsführer Thomas Gäbert den Betrieb vor. Die Agrargenossenschaft Trebbin eG bewirtschaftet rund 4.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche, davon etwa 2.900 Hektar Ackerland und 1.100 Hektar Grünland. Mit durchschnittlich lediglich 23 Bodenpunkten sind die natürlichen Standortbedingungen anspruchsvoll. Besonders die zunehmenden Wetterextreme und ausbleibenden Niederschläge stellen den Betrieb vor große Herausforderungen.

Thomas Gäbert erläutert während der Exkursion auf der Agrargenossenschaft Trebbin die Bestandesentwicklung einer Wintergerstenfläche und weist auf deren heterogene Ausprägung hin

An einem Ackerstandort erläuterte Thomas Gäbert anhand mehrerer Schläge die Bewirtschaftungsweise des Betriebes. Themen waren unter anderem vielfältige Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte, Leguminosen sowie eine möglichst bodenschonende Bodenbearbeitung. Ziel ist es, die Bodenstruktur zu erhalten, Humus aufzubauen und die Wasserspeicherfähigkeit der Böden zu verbessern. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich einzelne Maßnahmen nicht isoliert betrachten lassen, sondern immer zum Standort und zum gesamten Betrieb passen müssen.

Im Anschluss stellte Geschäftsführerin Jana Gäbert den Milchviehbereich des Betriebes vor. Ein Schwerpunkt lag auf der Frage, wie sich Tierwohl, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit miteinander verbinden lassen. Jana Gäbert erläuterte, dass sich der Betrieb bewusst für einen geringeren Tierbesatz entschieden hat. Dadurch steht den Kühen heute mehr Liegefläche zur Verfügung, was sich positiv auf Tiergesundheit und Langlebigkeit auswirkt. Gleichzeitig erreichen die Tiere eine höhere Jahresleistung, sodass heute mit weniger Kühen eine vergleichbare Milchmenge erzeugt werden kann als früher mit einer größeren Herde.

Jana Gäbert bei der Vorstellung des Milchviehbereich der AG Trebbin

Darüber hinaus wurde deutlich, welche Bedeutung die Tierhaltung für den Gesamtbetrieb hat. Sie trägt dazu bei, betriebliche Kreisläufe zu schließen und die Organik wieder auf die Ackerflächen zurückzuführen. So erfolgt die Phosphorversorgung des Betriebes beispielsweise nicht über mineralische Düngemittel, sondern über den betrieblichen Kreislauf. Gleichzeitig stärkt dieser Ansatz die Unabhängigkeit des Betriebes von starken Preisschwankungen bei Betriebsmitteln und erhöht seine Widerstandsfähigkeit in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten.

Nach der Feld- und Stallbesichtigung bot das gemeinsame Mittagessen in der betriebseigenen Kantine Gelegenheit für weitere Gespräche. Serviert wurde unter anderem ein Kichererbseneintopf aus hofeigenen Erzeugnissen. Einige der auf dem Betrieb produzierten Lebensmittel werden direkt vor Ort verarbeitet oder über einen Hofautomaten vermarktet.

Im anschließenden Austausch mit Thomas Gäbert wurde noch einmal deutlich, wie eng auf dem Betrieb alle Bereiche miteinander verzahnt sind. Ackerbau, Grünlandbewirtschaftung, Milchviehhaltung, Verarbeitung und Vermarktung greifen ineinander. Veränderungen in einem Bereich wirken sich unmittelbar auf andere Betriebsabläufe aus und müssen deshalb immer im Gesamtsystem betrachtet werden.

Genau dieses Denken in Kreisläufen und Zusammenhängen prägte den politischen Dialog und machte deutlich, dass eine zukunftsfähige Landwirtschaft vom Zusammenspiel vieler einzelner Bausteine lebt.

Zora Böttcher
Projektleiterin MoNaKo