19.06.2026 ca. 4 Min. Lesezeit

Selbstverständlich weiblich! Neues aus dem Unternehmerinnen Netzwerk

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Selbstverständlich weiblich! 
Neues aus dem Unternehmerinnen Netzwerk

Im UN-Jahr der Frauen in der Landwirtschaft werden männliche Journalisten schon mal neugierig: Wie schaffen es Brandenburgs Betriebsleiterinnen, ihre Unternehmen erfolgreich zu leiten? Schließlich müssen doch Kinder versorgt, müsse Wäsche gewaschen und für die Familie gekocht werden.

Für ein Porträt in der Bauernzeitung Anfang April beantwortete Anne Busch, Mitglied der ersten Stunde im Unternehmerinnen Netzwerk des LBV, geduldig die Fragen des Reporters, wie denn die Familienarbeit bei ihr zu Hause organisiert werde. Während sie darauf wartete, endlich über ihre eigentliche Arbeit als Geschäftsführerin der Agrargesellschaft Glienick in Zossen, Landkreis Teltow-Fläming, Auskunft geben zu können. Seit drei Jahren leitet Anne den Betrieb mit 2.650 Hektar Anbaufläche, mittlerweile als reinen Ackerbaubetrieb, da ihre unternehmerische Tätigkeit auch die einschneidende Entscheidung mit sich brachte, sich im Jahr 2024 von der Milchviehhaltung mit zuletzt 1.500 Rindern zu trennen.

Der Artikel über Anne war hundertprozentig lesenswert und auch differenziert. Die Berufskolleginnen im Unternehmerinnen Netzwerk des LBV reagierten zum Teil dennoch empört: „Ein männlicher Betriebsleiter wäre niemals nach seinen Aufgaben im Haushalt und für die Familie gefragt worden!“ Es zeigt sich: Auch in Brandenburgs Landwirtschaftsbetrieben, immerhin zu überdurchschnittlich 20 Prozent in weiblicher Hand und oft aus DDR-Strukturen erwachsen, in der die Gleichstellung der Frau in Beruf und Gesellschaft politisch gewollt und gefördert wurde, werden Frauen als Chefs immer noch nicht vorbehaltlos akzeptiert. So soll Anne Busch regelmäßig am Telefon „mit dem Chef verbinden“, da der ältere Herr am anderen Ende der Leitung es sich nicht vorstellen kann, mit einer Chefin zu sprechen. 

Grundsätzlich sehen Brandenburgs landwirtschaftliche Unternehmerinnen das Thema Gleichberechtigung in Beruf und Familie gelassen.

Das trendig gewordene Gendern von „Landwirt“ zu „Landwirtin“, von „Traktorist“ zu „Traktoristin“, oder von „Agrarökonom“ zu „Agrarökomonin“ ist ihnen herzlich egal, Hauptsache, den Tieren geht es gut, der Laden läuft und die Politik spielt mit. Als Protagonistinnen in zwei Folgen der rbb- Vorabendsendung „Der Tag“ Anfang Mai und Anfang Juni haben Gabriele Stockhoff, Vorstand der Agrargenossenschaft Bernhagenrind eG bei Bad Belzig, Potsdam-Mittelmark, und Dr. Ulrike Heyde, Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Werenzhain bei Doberlug Kirchhain, Elbe-Elster, genau das transportiert: Sie haben ihren Betrieb im Griff, hinter ihnen stehen engagierte Teams, oft wiederum Frauen – Tierwirtinnen, Tierärztinnen – , die Verantwortung übernehmen, oder wie bei Gabriele Stockhoff, zwei Söhne und der Mann. Und sie lassen es sich nicht nehmen, politisch mitzureden, wenn die Gelegenheit dafür da ist. So geschehen bereits Anfang des Jahres auf der Grünen Woche im Ministerin-Gespräch oder Ulrike Heyde vor der rbb-Reporterin, wenn es darum geht, die Auswirkungen des niedrigen Milchpreises auf die Stabilität der Milchviehbetriebe einem unbescholtenen Fernsehpublikum zu näher zu bringen.

Jenseits toller Medienpräsenz und weit sichtbarer politischer Arbeit sogar auf europäischem Parkett – Jana Gäbert, Geschäftsführerin der agt Agrar GmbH Trebbin, präsentierte im März als Stakeholderin im Rahmen einer Ausstellung im Europäischen Parlament die Betriebsform der Genossenschaft – arbeitet das Netzwerk weiter an seinem Mentorinnenprogramm. In einer Denk-Werkstatt Ende Mai gemeinsam mit Torsten Haier, Fachbereichsleiter der BLAk, wurde mittlerweile die Struktur der bewährten Ausbildungsnetzwerke Brandenburgs als Blaupause für ein so genanntes „Praxisnetzwerk Unternehmerinnen“ auserkoren. Mentorinnen und Mentees könnten sich demnach nach einer bestimmten Agenda reihum auf den Mitgliedsbetrieben des Netzwerks treffen und profitieren gemeinsam von dem jeweiligen Wissenstransfer. Wie das gehen soll, berichten wir euch demnächst. 

Links im Bild: Elisa Erpel, Geschäftsführerin der Oehnaland Agrar GmbH; links unten in der Vidoeschalte: Jana Gäbert, Geschäftsführerin der agt agrar GmbH Trebbin, rechts unten im Video: Maria Mundry, "Schwarze Kuh", Landwirtschaftsbetrieb im Nebenerwerb, oben rechts: Dr. Ulrike Heyde, Vorstandsvorsitzende der AG Werenzhain eG; Rechts Im Bild: Meike Mieke, LBV Brandenburg, Pressereferentin und Netzwerkkoordinatorin