270 Jahre Kartoffelbefehl
Auf königlichen Rundbefehl Friedrich des Großen an „sämmtliche Landräthe und Beamte“ am 24. März 1756 hielt die Kartoffel offiziell Einzug auf Brandenburgs Feldern. Die Circular-Ordre ist als „Kartoffelbefehl“ Friedrich II. in die Geschichte eingegangen. Sie initiierte die – wenn auch langwierige – Etablierung der nahrhaften Frucht in der Mark Brandenburg als dringend erforderliche Ergänzung des bis dahin dominierenden Getreideanbaus. Missernten führten immer wieder zu Versorgungsengpässen, verstärkt durch politisch-militärisch verursachte Notlagen wie im Siebenjährigen Krieg (1756 -1763).
Mit vielen noch folgenden Kartoffelbefehlen versuchte Friedrich II. daher, die märkischen Bauern vom Kartoffelanbau zu überzeugen. Sie taten sich mit dem unbekannten Gewächs aus Südamerika, das an die dortigen Standorte angepasst war, jedoch schwer. Vor allem die Integration in die vertraute Dreifelderwirtschaft und die Lagerung der nach guten Ernten in riesigen Mengen anfallenden Knollen bereiteten ihnen Probleme.
Erst die Agrarreformen ab 1807 bahnten den Weg für die Kartoffel als unentbehrliche Kultur für den steigenden Ernährungsbedarf der wachsenden Bevölkerung im Land. „Die nahrhafte Kartoffel als Grundversorgung für die unteren Schichten erwies sich dafür als bestens geeignet, zumal sie auf den mehrheitlich leichten Böden der Mark gut gedeiht“, heißt es in der Publikation des Brandenburger Landwirtschaftsministeriums „Neues aus der Akte Pommes Fritz“ (2023).
Heute sind deutschlandweit zirka 250 Kartoffelsorten für den Anbau zugelassen. Gerade hat die Kartoffelstärkefabrik in Dallmin/Prignitz ihre Kampagne abgeschlossen und rund 500.000 Tonnen Stärkekartoffeln verarbeitet. In wenigen Wochen legen die Kartoffelanbauer Brandenburgs die Saatkartoffeln für die anstehende Saison in die Erde.
Der Saisonstart in den Kartoffelanbau wird jedoch von den Folgen des Irak-Krieges überschattet: Die Blockade der Straße von Hormus führt zur Verknappung und Verteuerung der Energierohstoffe Öl und LNG sowie des ebenfalls weltweit gehandelten Harnstoffs, als Rohstoff für stickstoffhaltige Düngemittel. Schon jetzt gehen Brandenburgs Landwirte mit erheblich höheren Kosten für essenzielle Betriebsmittel in Vorleistung, bei gleichzeitig niedrig bleibenden Erzeugerpreisen insbesondere für Getreide. Die Kartoffel im Vertragsanbau bietet gewisse Chancen des Ausgleichs, jedoch müssen Bewässerung und Pflanzenschutz funktionieren. Der Staat könnte steuernd unterstützen, indem er steuerliche Entlastungen schafft. Der Landesbauernverband Brandenburg schließt sich daher der Forderung des Deutschen Bauernverbandes nach einem zeitweisen Aussetzen der Energiesteuer an.