Meinung

Meinung

Scheuklappenblick hilft nicht

Unverständnis und Ärger sind noch die kleinsten Reaktionen in der Landwirtschaft auf die Ankündigung des Nabu und anderer Umweltorganisationen, auch in Brandenburg eine Volksinitiative für mehr Artenschutz vorantreiben zu wollen. Dies stößt umso bitterer auf, da damit alle bisherigen Anstrengungen und Erfolge, Landwirtschaft und Nahrungsmittelerzeugung nachhaltig und umweltgerechter zu gestalten, in Abrede gestellt werden. Die Landwirtschaft ist in den vergangenen Jahren aktiv auf den Naturschutz und z.B. die Imker zugegangen, um gemeinsam Verbesserungen zu erreichen. Mit dem Blühflächenprojekt des LBV konnten Landwirte zunehmend für Aktivitäten zur Artenvielfalt und Insektenschutz gewonnen werden – ohne öffentliche Mittel. Es bleibt nun aber die sehr bittere Erkenntnis, egal was erreicht wird: Es scheint gewissen spendengetriebenen Organisationen nicht zu reichen.

Einfache Lösungen in dem hochkomplexen System Landwirtschaft, Biotoperhalt und Artenschutz gibt es nicht. Aber genau dies wird den Menschen mit einem Volksbegehren und vereinfachenden Slogans suggeriert.

Es reicht nicht aus, mit gefühlt geringerer Verschmutzung der PKW-Frontscheiben einen Insektenschwund zu begründen. Denn wirklich verlässliche Zahlen für Brandenburg fehlen bislang. Deswegen läuft auch ein bundesweites Insektenmonitoring, dessen Ergebnisse man abwarten sollte, ehe man in Aktionismus verfällt. Auch ein Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmittel läuft und eine Ackerbaustrategie wird erarbeitet.

Es wäre unsinnig, der Landwirtschaft neue Auflagen aufzubürden und zum Schluss stellt sich heraus: es gibt viele viele andere, evtl viel stärker wirkende Ursachen wie z.B. die zunehmende Lichtverschmutzung, die Klimaveränderung, Auswirkungen der Funkmasten, Flächenversieglung und Bebauung (neue Wohngebieten, Straßen etc.), zunehmender Verkehr und und und und. Zudem gibt es auch viele neue Arten bzw. sie kommen wieder, der Eichenprozessionsspinner, die Kirschessigfliege, die Tigermücke oder die Miniermotten. Vielleicht sollte auch manche eine Regelung überprüft werden, die den Insekten schadet, wie z.B. die Verbannung von Misthaufen an den sich früher die Fliegen tummelten.

Wenn man jedoch Schuldige finden und es sich einfach machen will, zeigt man ja leider zu oft auf die Landwirtschaft und lässt Ursache und Wirkung außen vor.

Es sollte sich jeder privat fragen, was kann ich für die Artenvielfalt tun. Die Landwirte machen bereits eine Menge und sind für weitere Aktionen offen - mal sehen wieviel Spenden in diesem Jahr für die Unterstützung von Blühflächen zusammenkommen.

Mit 155.000 ha ökologischem Landbau, 43.000 ha Brachflächen, über 1.000 ha Blühflächen sowie mehr als 140.000 ha extensiv bewirtschaftetem Dauergrünland (ohne mineralischer Dünger), nimmt die Brandenburger Landwirtschaft in Sachen Umweltverträglichkeit einen Spitzenplatz unter den Bundesländern ein.

JA zu einem offenen und ehrlichen Dialog mit lösungsorientierter Maßnahmen, NEIN zu einer polemischen Herangehensweise, die mit gefühlten Wahrheiten agiert.  Upps