Meinung Die Not der Bauern taugt nicht zur politischen Profilierung

Meinung

Von einigen Seiten u. auch der Politik ist angesichts der existenzbedrohenden Lage auf Grund der Dürre außer wohlfeiler Ratschläge kaum etwas zu hören außer:  – selber schuld, ihr müsst klimaschonender nachhaltiger vielfältiger wirtschaften, dann hättet ihr diese Probleme nicht.

Zum Ersten:
Wer so etwas sagt, setzt biologische Gesetze außer Kraft.

Leben ohne Wasser geht nicht, dies gilt für uns, aber auch für Pflanzen.

Wochenlange Hitze, kein Niederschlag und Sandboden – da wächst nichts, egal wie viele Kulturen ich auf meinen Feldern zu stehen habe. Denn zur Photosynthese und zur Erzeugung von Biomasse (z.B. Getreide) wird Wasser benötigt. Dieser biochemische Prozess ist nicht verhandelbar und unbeeinflusst von der Politik oder Wirtschaftsweise. Ist nicht genügend Wasser vorhanden funktioniert auch die Photosynthese nicht.

Zum Zweiten:
Vielfältige Fruchtfolgen und verschiedene Sorten bieten nur in gewissen Grenzen Ertragssicherheit. Nutzpflanzen, die wochenlang ohne Wasser auskommen, sind auf dem Markt nicht erhältlich (und wenn würden sie sicher verboten werden da Gentechnik oder ahnliches im Spiel sein könnte).

Zum Dritten:
Auch in grauen Vorzeiten gab es regional Dürresituationen, jenseits von Treibhausgasdiskussionen und CO²-Anstieg.
um 810, um 860, um 910: Drei schwere, mehrjährige Dürreperioden in Mittelamerika
1069: Dürre in England
1540: 9-monatige Dürre in Europa
1930–1938: drei Dürrejahre in Nordamerika…….

Übrigens an anderen Orten (auch in Europa) waren dieses Jahr keine Wetterextreme festzustellen.

Zum Vierten:
Die Landwirtschaft ist nicht der Treiber des Klimawandels. In Deutschland stammen rund 93% der Treibhausgase aus nichtlandwirtschaftlichen Quellen. Hier schlummert das große Potential und nicht bei der Erzeugung von lebensnotwendigen Nahrungsmitteln.
Beispiel jüngst in München: 1 Tag Stillstand am Flughafen, rund 300 Flüge ausgefallen und rund 10.000.000 kg Treibhausgase an diesem Tag nicht ausgestoßen.
Wir sollten den Anteil der Landwirtschaft nicht überbewerten. Allein der weltweite Zuwachs des Treibhausgasausstoßes von 1990 -2014 entspricht dem Treibhausgasausstoß der deutschen Landwirtschaft von rund 240 Jahren.

Fakt ist
ja, die Landwirtschaft ist weiterhin bestrebt, noch ressourcenschonender zu wirtschaften als sie dies bereits heute tut und verschließt sich dem Wandel und Fortschritt nicht. Dann muss aber auch die Gesellschaft mitziehen. Wie sieht es z.B. bei der Frage der Tierhaltung in Ställen mit Abluftfiltern versus Klimaaußenstall aus.
Wie sieht es mit Pflanzenschutzmitteln und Herbiziden aus, die helfen Erträge zu sichern und bodenschonend zu wirtschaften?

Was die Landwirtschaft jetzt braucht ist rasche Hilfe statt billiger Ratschläge. Der Druck, der auf jeden Landwirt lastet ist angesichts der katastrophalen Ertragsausfälle (50-70 % allein bei Viehfutter) sehr groß - hier sollte von der Politik geholfen werden. Auch Handel und Verbraucher könnten einen Beitrag leisten, indem statt die Preise zu drücken ein Futtersoli erhoben wird - wenige Cent mehr je Liter Milch oder kg Fleisch! Wie wär es damit?  UB

Aktualisiert (Freitag, 17. August 2018 um 10:33)