Start Meldungen Die (landwirtschaftliche) Welt verdorrt – aber die Paragrafen leben

Die (landwirtschaftliche) Welt verdorrt – aber die Paragrafen leben

Die Betriebe in Brandenburg leiden unter massiven Ernteausfälle – Ursache ist die große Trockenheit. Inzwischen kann man mit Fug und Recht von einer Missernte sprechen.

Die Ertragsverluste führen nicht nur zu weniger Einnahmen sondern auch zu Problemen bei der Versorgung der Tiere – es gibt nicht genügend Futter. Erste Tierhalter haben daher Notverkäufe vornehmen und Tierbestände reduzieren müssen.

Dies heißt, noch weniger Tiere in Brandenburg, weniger Arbeitsplätze, weniger organischer Dünger und weniger Geld auch in den kommenden Monaten.

Kein Wunder, dass bei diesen Folgen und bereits jetzt zu verzeichnenden Einnahmeausfällen von mindesten 100 Mio. EUR nach Hilfe gerufen wird – finanzieller Hilfe, aber auch Hilfe zur Selbsthilfe. Diese Rufe bleiben aber weitgehend ungehört vor manch einer sinnvollen Hilfsmaßnahme schiebt auch Brüssel einen Riegel vor. Ein riesiges Futterpotential steckt in den Winterzwischenfrüchten die von den Betrieben im Rahmen des sogenannten Greenings angebaut werden. So würden zahlreiche Betriebe den Aufwuchs gerne für die Versorgung ihrer Tiere nutzen, ehe die Flächen im Frühjahr umgepflügt und neu bestellt werden.

Leider gut gedacht aber nicht möglich, denn die EU schreibt vor, dass diese Zwischenfrüchte nicht im laufenden Jahr genutzt werden dürfen. Zwar können Schafe und Ziegen auf die Flächen und Fressen, nicht jedoch Kühe. Zwar dürfen die Zwischenfrüchte gehäckselt und geschlegelt werden, Abmähen und Verfüttern geht jedoch nicht. Zwar müssen die Zwischenfrüchte erst bis zum 01.10. ausgesät sein, eine Nutzung vor den 01.10. ist aber nicht möglich. Dies möge verstehen wer will - ich tue es nicht.

Noch verrückter wird es, dass die EU-Bürokratie als Ausnahmegenehmigung zwar die Nutzung von ÖVF-Brachen als ökologische Vorrangflächen zulässt (was gut ist), die Zwischenfruchtflächen jedoch tabu bleiben. Es ist traurig und macht wütend, wenn wegen Vorschriften und Unbeweglichkeit der Bürokratie Tiere notgeschlachtet werden müssen, Arbeitskräfte entlassen werden und Betriebe ausbluten. Warum hier keine Ausnahme zugelassen wird, die weder die Ziele der ökologischen Vorrangflächen gefährdet, noch Geld kostet, ist nicht nachzuvollziehen. Lieber hält man an unsinnigen Vorschriften fest. Aber man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben und vielleicht siegt ja doch noch der gesunde Menschenverstand über die Bürokratie.