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Weniger Fläche, weniger Tonnen

Pressemeldung
Landesbauernverband Brandenburg erwartet durchwachsene Ernte
Die Anbaufläche ist leicht gesunken, die geerntete Menge wird ebenfalls sinken: Brandenburgs Bauern erwarten für die heute offiziell eröffnete Getreideernte durchwachsene Ergebnisse. „Wir gehen davon aus, dass wir im konventionellen Landbau rund 2,45 Millionen Tonnen Getreide ernten werden“, sagt Landesbauernpräsident Henrik Wendorff. „Durch die im Vergleich zum Vorjahr geringere Anbaufläche wird die erwartete Menge

damit rund 10,5 Prozent niedriger ausfallen als im Vorjahr und etwa 6,4 Prozent unter dem Durchschnittsniveau der vergangenen fünf Jahre liegen.“ Auch die erwarteten Erträge der konventionellen Betriebe werden sich leicht unter dem Fünfjahres-Mittel einpendeln; bei den ökologischen wirtschaftenden Unternehmen kann aber von einer Mengensteigerung von sechs Prozent zu 2016 ausgegangen werden. Zum ersten Mal seit 1991 hat der Winterweizen den Roggen als anbaustärkste Kultur verdrängt. Er wächst auf gut 173.000 Hektar, was einem Plus von 4000 Hektar oder 2,4 Prozent gegenüber 2016 entspricht. Die Ursache hierfür ist die günstige Marktsituation und bessere Eignung neuer Züchtungen für leichte Böden. Gute Nachrichten für Brandenburg und seine Bauern bringen die Erzeugerpreise: Sie haben sich seit der Ernte 2016 zumindest leicht erholt. In den zurückliegenden Wochen zeichnete sich ab, dass gerade die Preise für Roggen und Gerste etwas höher liegen als die der anderen Kulturen. „Dennoch müssen wir konstatieren, dass die Steigerungen für uns noch nicht ausreichen, um auskömmlich zu leben – selbst wenn Betriebsmittel wie Mineraldünger und Diesel zuletzt günstig waren“, sagt Henrik Wendorff. „Allerdings bestimmt der Weltmarkt die Preise und dort stehen gute Ernteaussichten in allen bedeutenden Getreideanbauregionen steigenden Preisen entgegen.“
Witterung
Durch die Trockenheit im August und September 2016 waren die Bedingungen für die Aussaat nicht optimal, was zu verzögertem und schlechtem Keimen der Saaten geführt hat. Durch die Niederschläge im Oktober konnten sich die Saaten aber noch gut entwickeln. Im Winter sorgten die reichlichen Regenfälle für gut gefüllte Bodenwasservorräte. Der warme März sorgte für eine positive Entwicklung, insbesondere bei den Wintergetreidebeständen. Während die Nachtfröste nach Ostern viele Obstgehölze stark geschädigt haben, waren bei den Ackerkulturen höchstens unbedeutende Schäden zu konstatieren. In den hauptsächlich für den Ertrag verantwortlichen Monaten Mai und Juni war es in Brandenburg generell deutlich zu trocken, besonders der Süden Brandenburgs war davon betroffen. Insgesamt fehlten in der Vegetationsperiode über 50 Millimeter Regen bei tageweise hochsommerlichen Temperaturen. Die Folge: relativ geringer Befall des Getreides mit Pilzerkrankungen, aber verstärkter Insektenbefall wegen der warm-trockenen Witterung.
Fläche
Insgesamt hat sich die Fläche für den Getreideanbau in Brandenburg (konventionell und ökologisch zusammen gerechnet) seit 2016 um rund 2,3 Prozent verringert und beträgt damit aktuell knapp 487.000 Hektar. Auf die Anbaufläche bezogen ist der Winterroggen mit rund 162.000 Hektar aktuell um acht Prozent gesunken; Wintergerste konnte einen leichten Zuwachs um 1,4 Prozent verzeichnen. Die Triticale haben mit einer Flächenreduzierung um 5,1 Prozent an Bedeutung verloren; die Ursachen liegen sicherlich in dem gesunkenen Futtermittelbedarf durch weiter schrumpfende Tierhaltung in Brandenburg begründet. Die Raps-Anbaufläche hat sich kaum verändert.
Der Rückgang der Fläche für den Getreideanbau wird momentan durch eine merkliche Ausweitung des Anbaus von Erbsen und Lupine, einer geringen Steigerung des Kartoffelanbaus und zusätzlicher Silomais-Flächen kompensiert. Die Auswirkungen der drei erst genannten Kulturen auf Bodenfruchtbarkeit und Fruchtfolge sind als durchweg positiv zu bewerten. Die Ausweitung des Maisanbaus ist eine einmalige Erscheinung. Da im Herbst 2016 die Aussaatbedingungen fürs Getreide oft nicht gut genug waren, haben sich viele Landwirte als Alternative für die ansonsten unter Brandenburger Bedingungen einzig lohnende Frühjahrsfrucht entschieden – den Mais. Angesichts von landwirtschaftlich sinnvollen 20 Prozent der Anbaufläche von „Vermaisung“ zu sprechen, deckt sich nicht mit der Realität.
einzelne Kulturen
Wintergetreide:     Die Bestände gingen befriedigend bis gut entwickelt in die Vegetationspause; die zeitige Bodenerwärmung im Frühjahr beflügelte das Wachstum. Allerdings sind nunmehr deutliche Trockenstressschäden in Weizen und Roggen zu erkennen, was zu stark schwankenden Qualitäten führen wird.
Winterraps:        Durch den Wegfall der insektiziden Beize seit Aussaat 2015 werden bereits im Herbst mehrere Behandlungen mit Pflanzenschutzmitteln durchgeführt, um den steigenden Schädlingsdruck zu reduzieren. Allerdings zeigt dies immer weniger Wirkung, da potente Mittel fehlen und sich Resistenzen aufbauen. Dies führt auch dazu, dass die Anbauwürdkeit dieser für die Fruchtfolge wertvollsten Kultur in Brandenburg auf dem Prüfstand steht. Beim Raps wird eine Erntemenge von knapp 430.000 Tonnen erwartet – fast 19 Prozent mehr als im schlechten Vorjahr, aber immer noch 5,6 Prozent weniger als im langjährigen Schnitt. Die Erzeugerpreise leisten ein Übriges: Durch gute Ernteschätzungen für Palmöl und Soja bewegen sich die Preise für Raps derzeit auf einem Niveau von -5,6 Prozent im Vergleich zu 2016.
Ernteschätzung
Der Landesbauernverband Brandenburg rechnet im konventionellen Anbau mit einem Durchschnittsertrag von 52 Dezitonnen je Hektar über alle Kulturen und mit durchschnittlich 23 dt/ha auf den ökologisch bewirtschafteten Flächen. Damit würden die konventionellen Erträge etwa fünf Prozent hinter dem Vorjahr zurückbleiben; bei den ökologisch wirtschaftenden Betrieben wäre eine Ertragssteigerung von sechs Prozent gegenüber 2016 zu verzeichnen.
Erntemaschinen
In den kommenden Wochen sind nun wieder vermehrt Erntemaschinen mit Überbreite und langsam fahrende Gespanne unterwegs. Brandenburgs Bauern bitten alle Verkehrsteilnehmer darum, entsprechende Rücksicht walten zu lassen. Gleichzeitig hoffen die Landwirte auf Verständnis für unaufschiebbare Erntearbeiten – im Sinne der Verbraucher muss die Ernte vom Feld, um die bestmögliche Qualität zu sichern.

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:

Sebastian Scholze, Pressesprecher Tel. Nr. 0151/12218692