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Nitratbelastung in Brandenburg kontinuierlich gesunken - Monitoringprojekt wird ausgeweitet

Potsdam - Brandenburg weist im Bundesvergleich wenige Problemfälle bei mit Nitraten belasteten Gewässern auf. Das bestätigt - sowohl für die Oberflächengewässer als auch für die Grundwassermessstellen - der aktuelle Nitratbericht der Bundesregierung.

EU-Nitratrichtlinie

Nach der EU-Nitratrichtlinie ist Deutschland verpflichtet, alle vier Jahre einen Bericht vorzulegen. Dieser enthält insbesondere Angaben zur Nitratbelastung der Gewässer in den Ländern und fließt in den Nitratbericht der Bundesregierung ein. Die Daten werden in einem bundesweiten Messnetz erhoben. Dieses war in den 1990-er Jahren als Belastungsmessnetz für so genannte Hotspots konzipiert worden, an denen mit hohen Nitratwerten zu rechnen war. Brandenburg war hier mit drei Messstellen beteiligt.

Nitratmessnetz erheblich erweitert

Inzwischen wurde das Nitratmessnetz neu konzipiert, um künftig bessere Interpretationen zu ermöglichen. Zahlreiche zusätzliche Messstellen in Gebieten mit starker landwirtschaftlicher Nutzung bieten eine breitere Datengrundlage. Für den aktuellen Nitratbericht hat die Bundesregierung die Ergebnisse von rund 700 Messstellen ausgewertet, zu denen Brandenburg 57 Messstellen beisteuert.

72 Prozent der Brandenburger Messstellen unauffällig

Damit ergibt sich nun ein differenzierteres Bild der Nitratbelastung als noch im Nitratbericht 2012. Von den 57 Grundwassermessstellen in Brandenburg fällt der überwiegende Anteil von 41 Messstellen (72 Prozent aller Messstellen) in die unterste Klasse (0 bis 25 Milligramm je Liter), während 15 Messstellen (26 Prozent aller Messstellen) in die Klasse (mehr als 50 Milligramm je Liter) eingestuft werden.

Die physikalisch-chemische Beschaffenheit der Oberflächengewässer weist in Brandenburg eine insgesamt positive Entwicklung auf. Dabei nahm die Nitrat- und Phosphorbelastung der Fließgewässer im Vergleich zum Beginn der 1990-er Jahre um 25 bis 50 Prozent ab. Bei Nitrat ist die Situation in weiten Teilen Brandenburgs deutlich besser als in anderen Bundesländern, wogegen beim Phosphor kaum Unterschiede festzustellen sind.

Ein Grund für die im Ländervergleich günstige Situation sind die für ein Flächenland vergleichsweise geringen Tierbestände.

Pilotprojekt Stickstoffeinträge wird ausgeweitet

Die Überschreitung der Schwellenwerte kann verschiedene Ursachen haben. Um herauszufinden, auf welches Problem jeweils wie am besten reagiert werden kann, hatte das Land bereits ein Pilotprojekt umgesetzt, das nun auf andere Standorte ausgeweitet werden soll. „Das heißt, wir werden uns mit externem Sachverstand die Einzelfälle, bei denen es noch zu Überschreitungen kommt, genau ansehen und die Ursachen abstellen", kündigte Vogelsänger an.

Zur Untersuchung der Ursachen an Messstellen mit Schwellenwertüberschreitung wurde das Pilotprojekt um die Grundwassermessstelle Zachow im Landkreis Havelland durchgeführt. Im Ergebnis der Untersuchung wurde festgestellt, dass die hohen Werte nicht durch einen falschen Einsatz von Düngemitteln durch Landwirte zurückzuführen sind, sondern durch die Nähe der Messstelle zu einem früheren Umschlagplatz für Düngemittel.

Die Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Pilotvorhaben werden in das laufende Projekt „Stickstoffeinträge" übernommen und bei der Untersuchung und Ursachenfeststellung an elf weiteren Grundwassermessstellen in acht Landkreisen Anwendung finden.

Die Projektausschreibung wird in den kommenden Wochen auf den Weg gebracht.

Trinkwasserbrunnen: Keine Kostensteigerung durch teure Nitrat-Aufbereitung

Bezüglich der durch das Umweltbundesamt kürzlich prognostizierten möglichen Erhöhung der Trinkwasserpreise durch Nitratbelastungen kann für Brandenburg Entwarnung gegeben werden: Die Ergebnisse zeigen, dass es im Land derzeit beziehungsweise in naher Zukunft nicht erforderlich sein wird, teure Aufbereitungstechniken zur Eliminierung von Nitrat einzusetzen oder neue Brunnen erschließen zu müssen.

Nach der aktuell vorliegenden Statistik aus dem Jahr 2015 geht hervor, dass von 893 auf Nitrat untersuchten Trinkwasserbrunnen nur zwei (entspricht 0,2 Prozent) eine ein- oder mehrmalige Überschreitung des Trinkwassergrenzwerts von 50 Milligramm je Liter aufwiesen. Im gleichen Jahr wurden auch 646 Vorfeldmessstellen auf Nitrat untersucht. Diese liegen im Anstrom des Grundwassers auf die jeweiligen Brunnen und warnen im Ernstfall frühzeitig über herannahende Belastungen. Hier wurde der Grenzwert an 20 Messstellen ein oder mehrmals überschritten, was einer Quote von 3,1 Prozent entspricht.

Boden- und Gewässerschutz in Agrarlandschaften

Neben der Ursachenforschung und Maßnahmen gegen überhöhte Einträge an den Hotspots werden im Rahmen der Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen Förderprogramme angeboten, die sich auf den Gewässer- und Bodenschutz positiv auswirken. Diese Angebote wurden 2016 von 1.670 Antragstellern auf 144.288 Hektar genutzt.

Darüber hinaus erfolgt die Förderung von 591 Unternehmen mit einer Fläche von 115.783 Hektar im ökologischen Landbau. Weitere 35.419 Hektar werden im Rahmen der Natura 2000-Richtlinie gefördert.

Quelle: Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg